Unabhängige Wählergemeinschaft organisiert Podiumsdiskussion zum Thema „Wohin Jülich?“ . Ringen um die beste Entwicklungspolitik. Der fortschreitende demografische Wandel verlangt intelligente Konzepte.
Jülich. „Wohin Jülich?“ Zur Beantwortung dieser spannenden Frage in Zeiten von Spitzenforschung und zugleich demografischem Wandel hatte die unabhängige Wählergemeinschaft JüL in den Sitzungssaal des Alten Rathauses eingeladen – und stieß damit auf großes Interesse.
Austausch fördern
Ein einleitendes Referat der Expertin auf dem Gebiet der Dorfentwicklung, Professor Dr. Hildegard Schröteler-von Brandt, betonte den hohen Identifikationswert der „unverwechselbaren Dorfmitte mit ihrer Geschichtlichkeit“. Insbesondere diese Dorfmitte wird in der Regel stärker von Bevölkerungsrückgang und Überalterung und somit von Leerständen, Mindernutzung und Immobilienpreisverfall gezeichnet sein.
Dorfspezifische Analysen und regionale Konzepte empfahl sie hier neben neuen Betreuungs- und Pflegeformen an Runden Tischen und in Bürgerversammlungen aufzustellen.
„Über Flächenressourcen nachdenken und eine Art Management zu betreiben, Leerstände kartieren und vermitteln“, ist ihre Strategie. In Daun wurde beispielsweise eine auf der Internetseite einsehbare Datenbank initiiert, um den „Leerstand offensiv nach vorne zu bringen“. „Ist es nicht viel wichtiger, bestehende Flächen zu schützen – Innenentwicklung vor Außenentwicklung?“.
Diese rhetorische Frage hatten Jülichs Bürger auf einem Fragebogen zuvor bereits mit „Ja“ beantwortet. 70 von 130 Befragten waren der Meinung, in Jülich werden keine weiteren Baugebiete gebraucht.
Die Referentin nannte mit Studierenden erarbeitete neue Baumodelle zur Füllung von Baulücken und einige Beispiele für die Sicherung von Altbaubeständen durch Umbau, Anpassung und Umnutzung – zum Teil mit finanzieller Förderung verbunden.
Rettung drängt
„Die Dörfer werden sterben, und wir müssen damit anfangen, sie zu retten – und zwar in der Mitte“, fasste Moderator Günter Vogel (VHS) ihr Referat überspitzt zusammen.
Spontan bekundete Jürgen Hake (Stadtentwicklung) aus den Zuschauerreihen, das soeben gehörte Referat sei eins zu eins auf Jülich übertragbar und erntete einige Zustimmung.
Eine konstruktive Diskussion mit anschließender Publikumsbeteiligung über das Verhältnis der Kernstadt Jülich und der umliegenden Dörfer schloss sich an, die Vogel wiederum auf den Punkt brachte: „Herr (Heinz) Frey (Dorfzentrum Barmen) sagt, wenn die Dörfer gesund sind, ist auch die Innenstadt gesund“. Bei den anderen Podiumsteilnehmern sah er „eher eine umgekehrte Tendenz“.
Bürgermeister Heinrich Stommel bestritt allerdings den „Konflikt“ in seiner Darstellung.
Die Statements der einzelnen Podiumsteilnehmer, in denen Vogel im Nachhinein „durchaus Konsensfähigkeit“ feststellte, in aller Kürze: Heinz Frey ist der Meinung, „Stadtentwicklung muss auch Dorfentwicklung sein“ – verbunden mit der Chance, lebenslang dort zu wohnen. Das Dorfprojekt Barmen sei im Moment noch ein Pilotprojekt; davon werde es in Zukunft mehrere geben.
MdL JosefWirtz riet, „vom eigenen Kirchturm auf die anderen zu schauen“ und betonte politische Bemühungen um eine „Leader-Region“ wie „Perspektiven und Potenziale in ländlichen Räumen“.
Stommel betonte die Qualitätssteigerung, die „entscheidend für die (gemeinsam aktiv mit Verwaltung, Kaufmannschaft und Bürgern gestaltete) Zukunft“ sei.
Wolfgang Hommel (Werbegemeinschaft) erkannte die „Bedarfsdeckung und Erlebnisbefriedigung“ als Problem der Stadt und der umliegenden Dörfer sowie den „Kampf um die Familien“ als Standortvorteil.
Das Schlusswort gebührte der Referentin: „Wir brauchen integrative Stadt- und Entwicklungsplanung mit Querverbindungen.
Man kann den demografischen Wandel gestalten.“
Quelle: Jülicher Nachrichten vom 15. Nov. 2007, (ptj)
„Wir müssen den Weg der
traditionellen Politik verlassen.“
Professor Dr. Hildegard
Schröteler-von Brandt